taz Reise Palästina/Israel

Architektur, Regionalplanung und Herrschaft


Reiseleitung: Thomas Hartmann (taz) in Kooperation mit Omar Yousef, Professor für Architektur an der Al-Quds-Universität Jerusalem

Ramallah - Nablus - Jericho - Bethlehem - Hebron - Jerusalem.
Diese Reise bietet einen Einblick in den Alltag der Menschen in Palästina unter dem Focus Architektur, Denkmalschutz und Regionalplanung. Die Gestaltung der Häuser und Städte in der Westbank, die Wertschätzung und Restaurierung alter Bausubstanzen sowie die Strukturierung des Raumes sind grundlegende Elemente, die vielfältig in das Leben der Menschen eingreifen. Bei der Reise werden wir sowohl die Gegebenheiten vor Ort als auch kritische Ansätze israelischer wie palästinensischer Architekten zur „Architektur der Besatzung“ (E.Weizman) kennenlernen – und es bleibt Zeit, die Landschaft zu genießen und sich durch die Altstadtgassen Jerusalems treiben zu lassen.
Durchgeführt wird diese Reise in Kooperation mit dem Architektur-Professor Omar Yousef.

 

 

Programm

1. Tag

Flug von verschiedenen Städten nach Istanbul; dort trifft sich die Gruppe am Check-In der Turkish Airlines nach Tel Aviv. Transfer nach Ramallah; Ankunft am späten Nachmittag, beim Abendessen im Hotel lernen sich die TeilnehmerInnen kennen und erfahren Details zum Programmablauf.

 

2. Tag

Am Vormittag erkunden wir bei einem Spaziergang Ramallah und besuchen die Musikschule Al-Khamandjati sowie das Tamer Institute für ‚Community Education‘. Mittagessen möglich im Künstlercafé Ziryab.
Danach besuchen wir ‚Riwaq‘, eine Nicht-Regierungsorganisation, die sich für Denkmalspflege engagiert. Sie arbeitet in der gesamten Westbank sowie in Gaza in rund 50 Dörfern und Städten. Historische Bauten werden renoviert und einer sozialen bzw. kulturellen Nutzung zur Verfügung gestellt. Ziel der Organisation ist es, das Kulturerbe Palästinas zu bewahren und es für die sozio-ökonomische Entwicklung zu nutzen.
Anschließend erläutert uns der Architektur-Professor Omar Yousef bei einer Fahrt durch Ramallah den Bauboom in der Umgebung der provisorischen Hauptstadt der Palästinenser sowie einzelne Architektur-Projekte. Er wird die Gruppe bis zum Abendessen im Hotel begleiten.

 

3. Tag

Vormittags fahren wir nach Bir Zeit nördlich von Ramallah; in der Universität treffen wir Studenten und Professoren, besichtigen das kleine „ethnographic museum“ von Prof. Vera Tamari und lernen das Internetportal einer „Virtual Gallery“ palästinensischer Künstler kennen.
Anschließend besuchen wir den von ‚Riwaq‘ restaurierten Ortskern und fahren weiter nördlich nach Sabastiya. Dort besuchen wir die Reste des römischen Amphitheaters sowie ein von Riwaq restauriertes Haus aus osmanischer Zeit, jetzt Sitz einer lokalen Frauenkooperative. Die Tour in Begleitung einer Riwaq-Mitarbeiterin führt uns weiter nach Nablus, wo wir durch die weiträumige Altstadt schlendern und dabei Näheres über die städtebauliche und allgemeine Situation dieser größten Stadt der nördlichen Westbank erfahren.
Am späten Nachmittag kehren wir nach Ramallah zurück. Abendessen im Hotel mit dem Künstler und Fotografen Majdi Hadid (www.beautifulpalestine.com).

 

4. Tag

Wir fahren früh morgens erneut Richtung Nablus bis zum Dorf Duma. Von dort aus unternehmen wir eine gemütliche Wanderung (mit Lunch-Imbiss 5-6 Std) durch Dörfer und Felder am Abhang zum Jordantal – dabei entdecken wir alte Kirchen, eine friedvolle Landschaft und die Gastfreundschaft der Palästinenser.
Am Nachmittag holt uns unser Busfahrer ab und fährt uns die letzten Kilometer bis Taybeh. Dieses vorwiegend von Christen bewohnten Dorf ist bekannt dafür, das sich hier die einzige Bierbrauerei der Westbank befindet. Weniger bekannt ist, dass der Ortskern ebenfalls von Riwaq restauriert wurde. Den schauen wir uns natürlich an, ehe es wieder mit dem Bus hinunter ins Jordantal bis zum Dorf Al-Auja geht. Hier übernachten wir in einem Projekt für nachhaltigen Tourismus in Bedouinen-Zelten („Ein-Personen-Zelte“ nicht möglich).

 

5. Tag

Am Vormittag treffen wir palästinensische Landwirte in der Umgebung. Sie geben uns einen Einblick in ihre prekäre Situation in unmittelbarer Nachbarschaft zum israelischen Agrobusiness in der „Zone C“, die ausschließlich unter israelischer Verwaltung steht.
Anschließen fahren wir nach Jericho, 260 m unter Meeresspiegel, das sich rühmt, der älteste durchgehend besiedelte Ort der Welt zu sein. Bei einer Rast an einem Berghang blicken wir bis zum Toten Meer. Nach einem Besuch des „Hicham Palastes“ aus osmanischer Zeit geht die Fahrt weiter über die Sufi-Pilgerstätte Abu Nabi und an Jerusalem vorbei nach Bethlehem.
Nach der Ankunft beziehen wir zunächst unsere Zimmer für die nächsten drei Tage bei verschiedenen palästinensischen Familien („homestay“). Diese Übernachtung bei Familien ist ein Projekt der „Alternativ Tourism Group“ aus dem Nachbarort Beit Sahour, mit der wir bei der Durchführung dieser Reise zusammenarbeiten.

 

6. Tag

Am Vormittag Rundgang durch Bethlehem mit Besuch der Geburtskirche und der Altstadt; auf dem Weg liegt auch das Internationale Kultur- und Begegnungszentrum Al-Annadwa von Mitri Raheb, dem Pastor der ev-luth. Weihnachtskirche in Bethlehem. Bei Interesse kann das Medienprojekt „Palestine News Network“ besucht werden, das Nachrichten- und Magazin-Programme für über 40 lokale Radiosender in der Westbank produziert und ein Nachrichten-Portal im Internet betreibt – inzwischen auch mit einer deutschen Sektion (http://german.pnn.ps/).
Nachmittags fahren wir nach Hebron und gehen durch eine gespenstige Altstadt, die zwischen der israelischen Siedlung und den Palästinensern geteilt ist; beeindruckend ist auch der Besuch von Abrahams Grab (al-Haram al-Ibrahimi) – an der einen Seite eine Moschee, an der anderen eine Synagoge, dazwischen Panzerglas.
Bei der Rückfahrt nach Bethlehem erleben wir die Aufteilung der Region durch Straßen, die für Palästinenser erlaubt sind, und solchen, die nur Israelis befahren dürfen. Übernachtung wieder bei denselben Familien in Am Bethlehem.

 

7. Tag

Vormittag besteht Gelegenheit für individuelle Spaziergänge. Es besteht die Möglichkeit, Mitarbeiter einer lokalen Initiative (‚Center for Cultural Heritage Preservation‘) zu treffen, die ähnlich wie Riwaq das Zentrum der Nachbarstadt Beit Sahour durchgeführt hat und 2010 dafür den Architektur-Preis der ‚Arab Towns Organization‘ mit Sitz in Doha (Katar) erhalten hat.
Nachmittags Treffen mit Architekten des „Decolonizing Architecture Instituts“ in Begleitung von Omar Yousef und Besuch des ehemaligen israelischen Militärcamps Oush Grab, dessen Umgestaltung ein Projekt des Instituts ist.
Am Abend verabschieden sich unsere Gastgeber-Familien, bei denen wir übernachtet haben, bei einem Treffen mit palästinensischer Musik, das gemeinsam mit der ‚Alternativ Tourism Group‘ organisiert wird.

 

8. Tag

Am Vormittag fahren wir nach Jerusalem, wo wir im „Jerusalem-Hotel“ wohnen, ein wunderschönes altes Naturstein-Haus 200 Meter vom Damaskus-Tores und der Altstadt entfernt. Nach einer kurzen Ruhepause besuchen wir die berühmten religiösen Bauwerken der Altstadt: Felsendom und Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg, die Klagemauer und die Grabeskirche – unter sachkundiger Führung durch Pfarrerin Ulrike Wohlrab vom ev.-luth. Begegnungszentrum.
Anschließend ist Zeit, individuell durch das Gewirr der Gassen zu streifen und in den Geschäften zu stöbern, Jerusalem-Fotos aus den 1930er Jahren im Elia-Photostudio zu bestaunen oder im Österreichischen Hospiz zu relaxen.
Am späteren Nachmittag besteht die Gelegenheit, mit Omar Yousef in der Altstadt das ‚Center for Jerusalem Studies‘ und die Khalid-Bibliothek zu besuchen – in Gebäuden, die interessante Beispiele einer Altbaumodernisierung darstellen.

 

9. Tag

An diesem Tag besteht vormittags die Möglichkeit für einen Besuch der Gedenkstätte Jad Vashem im israelischen Westteil der Stadt. Der kann je nach Interesse recht unterschiedlich lang ausfallen. Daher wird ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, die zusätzlich auch für individuelle Spaziergänge oder auch zum Ausruhen genutzt werden kann.
Am Nachmittag treffen wir gemeinsam mit Omar Yousef einen israelischen Experten, der jahrelang in der Planungsbehörde gearbeitet hat. Er wird uns die israelische Sicht auf die Zergliederung der Westbank, das System ihrer Aufteilung in verschiedene Zonen (A, B und C) mit ihrem unterschiedlichen Status für die Palästinenser erläutern – eine Gelegenheit, sich mit den Erfahrungen während der Reise auseinander zu setzen.
Der Abend wird im Gartenrestaurant des Jerusalem Hotels ausklingen, gemeinsam mit dem Vertreter einer deutschen politischen Stiftung, die vor Ort arbeitet.

 

10. Tag

Dieser Tag ist dem Besuch von zwei verschiedenen israelischen Siedlungen am östlichen und nördlichen Rand von Jerusalem gewidmet. Sie markieren die heutige Ausdehnung von der Stadt in Gebiete, die vor 1967 zur Westbank gehörten. Omar Yousef und Susanne Knaul werden uns begleiten und einführen. Erste Station ist Ma‘ale Adumim, die größte Siedlung auf dem Gebiet der Westbank, eine Art Trabantenstadt für 40.000 Menschen, der wegen ihrer Lage am Abhang ins Jordantal eine besondere strategische Bedeutung zukommt. Wir werden die typische Architektur der Siedlungen aus der Nähe besichtigen und Gelegenheit haben, uns über das Leben in dieser Siedlung zu informieren.
Auf der Rückfahrt nach Jerusalem besuchen wir die kleinere israelische Siedlung Kfar Adumim, eine der ersten Siedlungen, die vor allem von Juden aus den USA bewohnt wird. Taz-Korrespondentin Susanne Knaul wird dort ein Treffen mit Siedlern organisieren. Beim Abendessen im Jerusalem Hotel wird die Reisegruppe mit der taz-Korrespondenin ausführlich diskutieren können.

 

11. Tag

Am Vormittag unternehmen wir eine Rundfahrt in Jerusalem mit dem „Israeli Comittee Against House Demolitions‘ (ICAHD); Thema: die Trennungsmauer rund um Jerusalem als „Matrix der Kontrolle“ – sie geht mitten durch palästinensische Ortsteile und integriert jüdische Wohngebiete in der ehemals palästinensischen Westbank in das von Israel beanspruchte „Groß-Jerusalem“. Palästinenser erhalten hier keine Baugenehmigung für neue Häuser, Da sie angesichts des Bevölkerungswachstums dennoch bauen, werden regelmäßig Neubauten abgerissen. Die Israelis, die sich im ICAHD engagieren, wenden sich gegen diese Praxis und unterstützen die Betroffenen.
Am Nachmittag findet eine abschließende Diskussionsrunde mit Omar Yousef und Mitgliedern der Gruppe „International Peace and Cooperation Center“ (IPCC) statt zum Thema: „Architektur, Friedensperspektiven und Decolonizing“. Beim Abendessen im Jerusalem Hotel wird Gelegenheit bestehen, sich innerhalb der Gruppe über die Eindrücke und Erfahrungen auszutauschen.

 

12. Tag
Abfahrt zum Flughafen Tel-Aviv ist direkt nach dem Frühstück. Die Turkish Airlines startet um 10.45 Uhr nach Istanbul. Von dort fliegen die Reiseteilnehmer individuell in ihre Heimatstädte, wo sie zwischen 16 und 18 Uhr ankommen.



Programmänderungen vorbehalten

 

 

 

Information

Reisepass:
Ein Reisepass ist erforderlich, er muss noch mindestens 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültig sein.


Visum:

Ein Visum ist nur für Reisende erforderlich, die vor dem 1.1.1928 geboren sind. Wer die Weiterreise in ein arabisches Land plant, kann sich den Stempel auf das Einreiseformular drücken lassen.


Landessprache:

Amtssprache ist Hebräisch im israelischen Staatsgebiet. Arabisch wird in den palästinensischen Autonomiegebieten gesprochen. In den Städten und touristischen Zentren wird auch Englisch, und zunehmend auch Deutsch verstanden.

 

Religion:

Judentum; Islam, Christentum, Drusen, Bahai.


Gesundheit:

Impfungen sind keine vorgeschrieben. Eine Reiseapotheke sollte Mittel gegen Erkältungen, Kopfschmerzen, Sonnenstich und vor allem gegen Magen-Darm-Erkrankungen enthalten. Zur Sicherheit wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Zu empfehlen ist der Abschluss einer Reisekrankenversicherung.


Klima:

Das Land hat drei Klimazonen. In der Küstenregionen ist der Winter mild und regnerisch. In den Gebirgen- Jerusalem, Hebron, Nablus kann es kalte Wintertage geben. Die Wüste und das Jordantal zeichnen sich durch milde Winter aus. Die Sommer können in allen drei Klimazonen heiß werden bis 40 Grad, nachts kann es im Sommer stark abkühlen. In den Wüstengebieten gibt es große Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen.

 

Geld:

1 Neuer Israel Schekel (ILS) = 100 Agorot. Wechselkurs: 1 Euro (EUR) = ca. 4,87 Israelische Schekel; 1 Neuer Israel Schekel (ILS) = 0.20  Euro (EUR) (Stand Sep. 2010).
Euroschecks: werden Akzeptiert. Reiseschecks: werden häufig angenommen. EC-Karten: werden an vielen Geldautomaten akzeptiert. Kreditkarten: Visa, American Express und MasterCard werden in Hotels und Restaurants sowie in zahlreichen Geschäften akzeptiert.


Stromspannung:

Stromnetz 220 Volt, allerdings unterschiedliche Steckdosenarten. Ein sog. Südeuropa-Adapter ist erforderlich.

 

Zeitverschiebung:
Mitteleuropäische Zeit (MEZ) +1 Std.

 

 

 

 

Termine:
26.03. – 06.04.2011


Preise pro Person im Doppelzimmer: € 2490,00

 

Einzelzimmerzuschlag: € 360,00

 

Mindestteilnehmerzahl: 10

Maximalteilnehmerzahl: 15

 

Leistungen:

• Linienflug in der Touristenklasse mit Türkish Airlines von verschiedenen Flughäfen (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Hamburg, Hannover und Stuttgart, auch Wien und Zürich) über Istanbul nach Tel Aviv und zurück
• Halbpension (Frühstück und Abendessen)
• 7 Übernachtungen in Hotels der guten Mittelklasse (im DZ mit Bad oder Dusche und WC) Halbpension (Frühstück und Abendessen )
•1 Übernachtung in Gästezelten in Al-Auja Halbpension (Frühstück und Abendessen )
•3 Übernachtungen bei Familien in Bethlehem (im DZ mit Bad oder Dusche und WC)
• Transfers und Rundreise mit komfortablem Reisebus laut Programm
• Eintritte und Stadtbesichtigungen gemäß Reisebeschreibung
• Übersetzungen bei allen Treffen mit Gruppen und Personen
• Begegnungen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und Projekten sowie mit Architekten und Stadtplanern
•Flughafensteuer, Luftverkehrssteuer, Flugsicherheits- und Landegebühr
• Insolvenzversicherung

 

 

 

 

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